Gartenbauepoche der dritten Klasse

Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche Dritte Klasse 2004/2005, Gartenbauepoche

Die Wende um das 9. Lebensjahr am Beispiel einzelner Unterrichtsinhalte

An der Waldorfschule ist der Lehrplan aus der Menschenkunde heraus gestaltet. Die Unterrichtsbereiche tauchen im Lehrplan in dem Lebensalter auf, in dem ein Bedürfnis dafür vorhanden ist.

Für das dritte Schuljahr sind nun im Gegensatz zu den ersten zwei Jahren allerlei praktische Epochen vorgesehen: Feldbau- oder Bauernepoche, Handwerksepoche, Hausbauepoche.

Welchen Bezug gibt es hier zum 9. Lebensjahr, in welchem die sich die Kinder in dieser Zeit befinden?

Zahlreiche pädagogische Untersuchungen und Abhandlungen gibt es zum Thema des schulpflichtigen Alters, noch mehr Wissenswertes liegt zur Problematik der Pubertät vor. Auf den entwicklungsmäßigen Umschwung im 9. Lebensjahr jedoch hat als einziger Rudolf Steiner hingewiesen und entsprechende Vorschläge zum Lehrplan gemacht.

Was geschieht in dieser Phase des Lebens?

Während die Kinder der ersten und zweiten Klasse noch in bedingungsloser Liebe nachahmend an Welt und Menschen hingegeben sind, sich noch in Einheit mit allen sie umgebenden Wesen empfinden, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Erleben noch nicht klar unterschieden sind, fällt das Kind im Laufe seines 9. Lebensjahres aus diesem einheitlichen Zeitenstrom und der damit verbundenen Hingabe an den Umkreis heraus. Das Kind “kommt an”  im Gegenwartsbewusstsein der Erwachsenen, erwacht im “Zeitgefängsnis”.

Der ewige Zeitenstrom des kleinen Kindes, in dem das Gestern vom Morgen noch nicht unterschieden wird, ist nun unterbrochen durch das Errichten zweier “Mauern”, die Gegenwart von Vergangenheit und Zukunft trennen. Dieses neue Erleben wird von Krisen begleitet, geht durch eine Dunkelheit in ein neues Licht. Es ist dieses der “Gang durchs Wasser” hinüber zu neuen Ufern des Bewusstseins. (“Rubicon” nennt Rudolf Steiner diesen Umwandlungsprozess in Anlehnung an ein Ereignis aus der römischen Geschichte, als das Durchqueren des Flusses Rubicon die entscheidende Wende brachte.)

In dieser Bewusstseinswende geht nun jedes Kind durch die Krise eines Einsamkeitserlebnisses. Angst entsteht durch das Gefühl des Getrenntseins, Fragen nach dem Tod stehen bedrohlich vor der Seele des Kindes.

Eine Stütze kann und möchte in dieser Zeit der Lehrplan sein. Er möchte helfen, in einem Lern- und Lebensvorgang das zu bewältigen, was dem Alter entspricht.

Erzählstoff des dritten Schuljahres sind die Geschichten des Alten Testamentes. Schon gleich zu Beginn finden wir hier ein Urbild dessen, was die Kinder in dieser Phase innerlich schicksalhaft durchleben: die Vertreibung aus dem Paradies. Ein Geschehnis, welches das Zerreißen des ewigen Zeitenstromes mit sich brachte und den Menschen mit dem Auftrag, die Erde zu erobern, entließ.

Diese “Eroberung” der Erde hat sich inzwischen zu gigantischen, nicht mehr durchschaubaren Höhen aufgeschwungen. Im Zeitalter des high-tec geboren genießen unsere Kinder einerseits die Annehmlichkeiten einer vergleichsweise “bequem” gewordenen Welt, doch gleichzeitig lauert hinter der “glatten Fassade einer perfekten Technik der Sog eines geistigen und moralischen Vakuums”. (E.- M. Kranich)

Jede Krise gebiert letztendlich die Sehnsucht nach Rückbindung an den geistigen Ursprung. Gerade in dieser Zeit des schmerzlich empfundenen Abgetrenntseins brauchen die Kinder die Möglichkeit, in ein Erleben einzutauchen, das das verlorene Vertrauen auf einer neuen Ebene wieder entstehen lassen kann. Vor allem die Schöpfungsgeschichte gibt hier dem Unterrichtenden viele Möglichkeiten, die Kinder durch das Wort “an die Hand” zu nehmen und in innere Räume zu führen, wo re-ligio empfunden werden kann.

Der nächste notwendige Schritt in dieser Lebenskrise bezieht sich auf das Gegenwartserleben. Hier geht es darum, Sinneseindrücke so zu vertiefen, dass Geistig-Wirksames empfunden werden kann.

Neben der intensiven Pflege der Künste (Musik, Malerei, Eurythmie) kann es in diesem Alter vor allem das Leben in und mit der Natur leisten. Darüber hinaus ermöglicht das Naturerleben die dreifache Verbundenheit mit der Zeit ins Bewusstsein zu heben: man erntet, was aus der Vergangenheit erwachsen ist, sät für die Zukunft und pflegt in der Gegenwart. In lustvoller und gesundender Weise können sich die Kinder in den dreifachen Zeitenstrom, der sich hier wieder zu einem Ganzen schließt, einleben.

Ein herzlicher Dank sei an dieser Stelle der Gartenarbeitsschule in Wilmersdorf ausgesprochen, die durch ihr vielfältiges Angebot auf ihrem großzügigen Gelände unseren Großstadtkindern dieses Erleben ermöglicht.