Interview mit Lea und Marina über ihre Erfahrungen mit dem 12. Klassspiel

U: Hallo, danke, dass ihr mir Eure Pause schenkt. Ich möchte Euch zu Beginn ein großes Lob aussprechen, es war eine tolle Aufführung!

Was waren denn die Auswahlkriterien für Euer Stück „Bandscheibenvorfall?“

L: Wir hatten uns erst auf 3 Stücke beschränkt, es stand z. B. noch „die Physiker“ zur Auswahl.

Dann kam aber unser Regisseur mit dem Vorschlag dieses Stückes, das wir vorher noch nicht kannten und meinte, dass die Autorin sehr gut sein soll. Zuerst wussten wir nicht, wie wir das zuordnen sollen, weil der Eindruck beim Lesen ein anderer ist und wir uns noch nicht so genau vorstellen konnten, wie die Szenen aussehen werden, auch die Witze hat man noch nicht so wirklich verstanden.

Aber nachdem wir alles einmal durchgespielt haben, hat es uns besser gefallen.

U: Es hat einfach für Eure Klasse gepasst, mit den wenigen Schülern, oder?

L: Ja, genau. Die wenigen Rollen, das war ganz gut.

U: Was hat Euch denn an dem Stück besonders interessiert? Das hat ja in einem Büro gespielt.

L: Auf jeden Fall, dass es in der heutigen Zeit spielt und dass es der Gesellschaft kritisch gegenüber steht, die heutigen Probleme anspricht. Es ist alltäglich. Es zeigt, was heute wirklich in diesen Büros passiert und auch in der Schule, z.B. mit Mobbing oder „hinter dem Rücken“ usw.

U: War es denn schwer die Rollen zu verteilen und hatten die etwas mit Eurer Person zu tun? Oder wolltet Ihr extra mal jemand anderer sein?

L: Also, wir konnten frei entscheiden, wie wir die Rollen einteilen. Jeder hat sich erst mal das Stück  durchgelesen und dann haben wir uns darauf geeinigt, wer welche Rolle spielt.

Einmal musste bei den Jungs ausgelost werden, aber ansonsten ist alles gut aufgegangen.

Wir haben uns danach entschieden, worauf wir Lust haben.

Es ging für uns auch nicht danach, wie ähnlich wir der Rolle sind, sondern einfach nach der Herausforderung.

U: Was war denn eine besonders große Herausforderung für Dich?

L: Für mich war es eine Herausforderung, aus mir heraus zu kommen. Umzuschalten.

Eigentlich bin ich mehr der ruhige Mensch und in dieser Rolle musste ich ja nach vorne kommen und auf Englisch ziemlich laut sein. Ein bisschen rumschreien sozusagen und dazu musste ich mich erst mal überwinden. Aber dann machte es Spaß in die andere Rolle zu schlüpfen.

U: Würdest Du sagen, Du hast dadurch was für Dein Leben gelernt?

L: Ja, das würde ich schon so sagen. Ich glaube schon, dass es uns etwas fürs Leben gebracht hat, mal was auszuprobieren und mehr aus sich heraus zu kommen.

U: Wie lange war denn die Probezeit?

L: Das waren insgesamt 3 Wochen, in denen wir sonst keine Schule hatten und so intensiver proben konnten. Wir haben uns jeden Tag getroffen.

U: Gab es denn auch mal kritische Situationen während der Proben?

L: Es war eigentlich relativ gut. Dann gab es mal welche, die ein bisschen lauter waren oder zu spät kamen, so dass man nicht proben konnte, aber im allgemeinen hat es gut geklappt.

U: Würdest Du sagen, das es die Klassengemeinschaft verändert hat?

L: Ja, während der Proben war die Klasse schon anders, mehr zusammen und man ist mehr aufeinander eingegangen, man hat ja zusammen geprobt. Jetzt, wo der Schulalltag wieder da ist, ist es wieder ein bisschen anders als wenn man Theater spielt.

M: Es war sogar so, dass ich mich während des Klassenspiels mit Leuten gut verstanden habe, mit denen ich mich sonst nicht so gut verstehe.

U: Gab es denn eine Übung oder Rat des Regisseurs, den Ihr für Euer Leben mitnehmt?

L: Vielleicht: Er meinte, dass man nicht so auf die anderen achten soll, sondern so mehr sein Ding durchziehen und sich nicht ablenken lassen soll. Ja, und dass man mehr aus sich herauskommen soll.

M: Die Kraft zu finden, wirklich laut zu reden.

Ü: Es wurden auch richtig Stimmübungen gemacht?

M: Ja, wir hatten Übungen, in denen man immer lauter oder leiser werden musste und deutlich sprechen und so was alles, auch Lockerungsübungen.

U: Was hat Euch am meisten Spaß gemacht?

L: Mal laut zu sein, jemand anderen zu spielen und nicht zu denken, was die anderen von einem denken, wenn man da so rumschreit. Zu wissen, es ist eine Rolle und die will ich so gut wie möglich verkörpern und mich hinein versetzen. Das war interessant.

M:  Der Moment selber, bevor man auf die Bühne geht. Man ist übertrieben aufgeregt, aber es ist ganz schön und es ist ein lustiger Moment, weil man denkt: o.k., hoffentlich mache ich keinen Fehler und jetzt kann alles passieren, ich könnte sogar von der Bühne kippen oder so.

U: Wollt Ihr denn weiter auf der Bühne stehen?

L: Ja, mir hat das wirklich großen Spaß gemacht und ich würde es auf jeden Fall wieder machen.

M: Mir hat es auch Spaß gemacht, aber ich würde es nicht beruflich machen wollen, sondern vielleicht als Hobby.

U: Welches Gefühl war das für Euch, als erste 12. Klasse dieser Schule das 12.-Klassspiel  zu spielen? Wart Ihr stolz darauf oder hattet Ihr dadurch einen hohen Erwartungsdruck?

L: Ichglaube, wir waren einfach gespannt, wie das so wird und haben es auf uns zukommen lassen.

Vielleicht hatten die anderen hohe Erwartungen, aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen.

M: Wir sind ja die ältesten Schüler dieser Schule, was Vor- und Nachteile bringt und daher sollten wir natürlich ein Vorbild sein. Das haben wir auch versucht, rüberzubringen. Aber ich denke nicht, dass wir uns dadurch noch mehr Mühe gegeben haben beim Spiel. Es war einfach eine Sache, in der wir uns Mühe geben wollten und Mühe gegeben haben.

U: Welche Vor- und Nachteile erlebt Ihr denn als älteste Klasse dieser Schule?

L: Naja, ein Nachteil ist, dass man kein Vorbild hat. Jemand, der das auch schon durchgemacht hat  und den man mal fragen könnte. Jetzt z.B. beim MSA kommen auch welche zu uns und fragen, welche Tipps wir geben können.

Vorteile sind, dass man keine Vorgaben hat, wie etwas gemacht werden muss und wir die ersten sind. Die es quasi so machen können, wie wir es wollen.

U: Wie geht es denn für Euch und die Klasse weiter?

M: Wir sind jetzt 12 in der Klasse und 6 davon machen das Abitur, die anderen beginnen eine Ausbildung oder machen das Fachabitur.

U: Ich danke Euch für Eure Zeit und wünsche Euch alles Gute!

Geschrieben von: Das Interview führte U.K. (Öffentlichkeitskreis)

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